Überlingen wünscht sich regionale, saisonale Lebensmittel im Landesgartenschaujahr 2020

Der Ortsverein von Bündnis90/Die Grünen hatte am Freitagabend im Johanniter Kreuz in Andelshofen zu einem Fachgespräch über das Thema Catering mit regionalen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und landschaftstypischen Gerichten bei der Landesgartenschau 2020 und in den gastronomischen Betrieben in Überlingen eingeladen. Roland Leitner (LGS Überlingen 2020 GmbH, Geschäftsführer), Andreas Liebich (DEHOGA-Überlingen), Hubert Rauch (BLHV-Überlingen, Landwirt) und Walter Sorms (Rengoldshausen, Bio-Landwirt) diskutierten die Frage „Wie können wir die Besucher mit Produkten der Region bewirten?“ Kann das klappen?



 

 

Ja zu regionalen Lebensmitteln

Das Ergebnis des Abends ist nicht nur aus Sicht des Ortsvereins der Grünen erfreulich. Die Geschäftsführung der Landesgartenschau zeigte sich offen für die Vorschläge. Konsens war: Die Teilnehmer am Fachgespräch, Landwirte und die rund 30 Interessierten wünschen sich regionale Lebensmittel im Landesgartenschaujahr 2020 auf dem Ausstellungsgelände und den Speisekarten der heimischen Gatsronomen. Das Ziel heißt regional und saisonal. Bio oder nicht bio spielt dagegen, eine untergeordnete Rolle.

Vorbereitungen jetzt treffen

2017 ist der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen, die Voraussetzungen zu schaffen, so ein weiteres Ergebnis der Diskussion. Welche Chancen regionale, gesunde Lebensmittel haben, hat Überlingen selbst in der Hand. Das entscheiden letzendlich der Aufsichtsrat der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH und der Gemeinderat. Die Moderation des Fachgesprächs hatte Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen und agrarpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Landtag, übernommen.

Was passt zur Cittaslow?

Martin Hahn stellte die erste Frag an Roland Leitner. Der Landtagsabgeordnete wollte wissen, wie sich die LGS 2020 GmbH auf das Ausstellungsjahr mit voraussichtlich bis zu 1,5 Millionen Gästen, genauer die Bewirtung der Besucherinnen und Besucher vorstellt. Überlingen stehe als Cittaslow vor einer besonderen Herausforderung, so Martin Hahn. Bei bisherigen Landesgartenschauen sei die Qualität der angebotenen Gerichte sehr unterschiedlich gewesen.

Ausschreibung entscheidend

Roland Leitner erläuterte, dass beim Catering zu Spitzenzeiten 8.000 bis etwa 10.000 Essen gleichzeitig über die Theke gehen müssten. Die Gesellschaft habe einen professionellen Gastro-Berater engagiert. Die LGS Überlingen 2020 GmbH müsse das Catering ausschreiben. Ausschreibungskriterien legen Aufsichts- und Gemeinderat fest. Entscheidend sei, wie viel Geld die Stadt mit der Bewirtung verdienen wolle. Gemeinderat und Aufsichtsrat müssten sich entscheiden, welche Gerichte sie in welcher Qualität zu welchem Preis auf dem Landesgartenschaugelände anbieten wollen.

Bio-Qualität zweitrangig

Seine zweite Frage richtete Martin Hahn an die Landwirte. Von ihnen wollte er wissen, welche Produkte die heimische Landwirtschaft liefern kann. Landwirt Hubert Rauch sagte, die wichtigsten Kulturen am See sind Obst und Weinbau. Die Landwirte am See produzieren daneben aber auch Gemüse und Feldfrüchte. Kartoffeln wachsen im Oberen Linzgau, so der Vertreter der Bauern. Die Frage laute auch, wie der Begriff Regionalität definiert werde. Weiter sagte er, dass ökologische und konventionelle Landwirtschaft nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Bio-Landwirt Walter Sorms sagte, ihn begeistere die Idee. Er wollte die Botschaft senden: „Liebe Besucherinnen und Besucher, wir versorgen Sie aus unserer Region!“. Allerdings wies der Landwirt, der bereits viele Gartenschauen besuchte, darauf hin, dass nicht nur Besucher mit hohen Ansprüchen satt werden wollen. Die Gerichte dürften auch nicht zu teuer sein. Currywurst geht auch regionale, so Martin Hahn, auch wenn ein einzelner Metzger mit 5.000 Würsten an einem Tag wohl überfordert wäre.

Gastronom findet heimische Produkte „charmant“

Von Andreas Liebich wollte Martin Hahn wissen, wo die Gastronomen das Potenzial sehen. Andreas Liebich erklärte, er wollte das Thema bei der nächsten DEHOGA-Versammlung mit seinen Kollegen besprechen. Er selbst findet die Idee, regionale Produkte anzubieten „charmant“. Im Vorfeld habe er bereits mit Kollegen gesprochen. Die Gastronomen wüssten, dass sie im Ausstellungsjahr an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Zusätzliche Stände auf dem Ausstellungsgelände kann er sich eher nicht vorstellen. Andreas Liebich plädierte dafür, das Catering auf dem Gelände an einen professionellen Groß-Caterer zu vergeben. Der könnte dann verpflichtet werden, regionale Produkte wie zum Beispiel Spargel aus Uhldingen „einzubauen“, so Liebich.

Gemeinsam planen

Martin Hahn hakte noch einmal bei Roland Leitner und den Landwirten nach und wollte wissen, welcher Vorfertigungsgrad nötig und möglich ist und was die heimische Landwirtschaft leisten könnte. Gewaschener Salat und geschälte Kartoffeln seien machbar, so Walter Sorms. Es komme jetzt darauf an, dass die Produzenten miteinander ins Gespräch kommen.

Story erzählen

Zu Wort meldeten sich auch viele Zuhörer, die zum Fachgespräch gekommen waren. Von ihnen kam der Vorschlag, eine „Story“ zu erzählen und den Besucherinnen und Besuchern auch die Kulturlandschaft zu zeigen. Nach Möglichkeit sollte der Caterer Videos von der Produktion, den Erdbeer- und Spargelfeldern oder zum Beispiel der Apfelernte auf Großleinwand laufen lassen. Woher kommt die gekochte rote Beete? Muss es Pizza oder sollten es besser die alemannische Variante Dinnele sein? Dass Landwirte einen Stand betreiben, dürfte aus Zeitgründen eher schwierig werden. Weitere Veranstaltungen des Ortsvereins der Grünen, die sich mit dem Ausstellungsjahr 2020 beschäftigen, folgen.

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