EU-Verbot von Mikroplastik: Martin Hahn MdL trifft den Vorstand des FC09

Die Landesregierung von Grünen und CDU in Stuttgart stoppt die Landesförderung für Kunstrasenplätze, auf denen Granulat eingesetzt wird. Mikroplastik soll nicht mehr in die Umwelt gelangen.

In Ba-Wü gibt es derzeit etwa 800 bis 1.000 Plätze. Das geht aus einer Anfrage im Landtag hervor. Die Sanierung eines Platzes könnte jeweils bis zu 500.000 Euro kosten. „Wir dürfen die Sportvereine nicht alleine lassen, wenn das Granulat vermutlich nach einer Übergangsfrist ausgetauscht werden muss“, sagte Martin Hahn MdL auf dem Kunstrasenplatz des FC09 Überlingen. Der Abgeordnete rechnet mit einer Übergangsfrist von mehreren Jahren.

Mit Klaus Pillebeit, dem Vorsitzenden des FC09 Überlingen, Günter Hornstein, dem zweiten Vorsitzenden des Vereins, und Rolf Geiger, Abteilungsleiter Grünflächen, Umwelt und Forst bei der Stadt Überlingen, und Markus Wolf, Gebietsleiter Grünflächen bei der Stadt Überlingen, erörterte Martin Hahn vor Ort auf dem Kunstrasenplatz auf dem Sportgelände Altbirnau in Überlingen die aktuelle Lage.

Der Überlinger Platz wurde erst im November 2017 eröffnet. Normalerweise ist ein solcher Kunstrasenplatz 15 bis 20 Jahre bespielbar, so der Vereinsvorsitzende. Solange möchte der Verein auf dem Kunstrasen weiterspielen. Die Sanierung kostete rund 500.000 Euro und sei fast ein Neubau gewesen.

Der Kunstrasen im Sportgelände Altbirnau ist für de FC09 unverzichtbar, so die Vorstände. Von Montag bis Freitag ist der Platz von 17 bis 21.30 Uhr komplett belegt. Auch die 350 Kinder und Jugendliche trainieren auf dem Feld mit dem Kunststoffgranulat. „Ein Kunstrasenplatz ersetzt drei Rasenplätze“, sagt der Vorstand. Klaus Pillebeit sieht neben dem Umweltaspekt auch einen sozialen.

Die Überlinger halten ihren Platz für vorbildlich. Entscheidend seien das Alter, der Aufbau und der Zustand des Platzes. Das Granulat auf dem Überlinger Platz werde bei der Pflege regelmäßig wieder gleichmäßig auf dem Spielfeld verteilt. So werde weniger abgetragen. Wie viel Granulat in Boden und Wasser gelangt, hänge von der Pflege ab, sagen Verein und Stadt. Die Überlinger rechnen vor, dass sie auf dem noch sehr neuen Platz pro Jahr weniger als einen Zentner Granulat nachfüllen müssen. Nachgefüllt werden müssen die kleinen Plastikteilchen, weil ständig Plastikkörnchen verloren gehen wie zum Beispiel bei Starkregen.

Auf dem alten Platz sei der Verlust wesentlich größer gewesen, berichten die Vorstände. Das lag zum Beispiel auch daran, dass im Winter früher noch der Schnee von dem Platz geschoben wurde. Das passiert heute nicht mehr. Man sei sensibilisiert, so Günter Hornstein.

Das geplante EU-Verbot von Mikroplastik könnte Kunstrasenplätze – auch den Überlinger – trotzdem gefährden, wenn das Gummigranulat, das den Rasen auffüllt, ab 2022 nicht mehr verwendet werden darf und es keine Übergangsfrist geben sollte.

Die Abteilung Grünflächen der Stadt ist sehr gut informiert. Längst ist Thema, wodurch der Gummi in der Zukunft, in vielleicht fünf oder zehn Jahren, ersetzt werden könnte. Möglich wäre vielleicht auch eine technische Lösung, die das Granulat zurück hält, so eine Idee. Alternativen wären – so der aktuelle Stand – zum Beispiel Kork-Rasen, der aber pflegeintensiv und anfällig für Schimmelpilze ist. Ob künstlichen Grashalme, die aus einem Polyethylen bestehen, das aus dem nachwachsenden Rohstoff Zuckerrohr hergestellt wird, eine Lösung wäre, ist noch nicht absehbar.

Dass wie in Studien festgestellt, für einen einzigen Fußballplatz ungefähr 100 Tonnen des Kunststoff-Granulats benötigt werden und der Rasen jedes Jahr mit schätzungsweise 10 Tonnen wieder aufgefüllt werden müsse (Quelle: Norwegische Umweltschutzbehörde Miljødirektoratet), treffe für deutsche Plätze nicht zu.

Sportministerin Susanne Eisenmann kündigte an, dass sie den Vereinen helfe möchte. Im Solidarpakt Sport III hat das Land im Rahmen der Sportstättenbauförderung ein einmaliges Sonderprogramm in Höhe von vier Millionen Euro jährlich vereinbart, um den Antragsstau abzubauen. Mit Mikroplastik stehe jetzt die nächste Herausforderung an. Eisenmann will sich dafür einsetzen, dass die vier Millionen Euro im Solidarpakt IV als Sonderprogramm bleiben. Jetzt eben mit einem anderen Schwerpunkt, nämlich der Sanierung von Kunstrasenplätzen. Der Neubau und die Sanierung von Kunstrasenflächen werden im Rahmen der Sportstättenbauförderung durch das Land bezuschusst. Zuwendungsempfänger sind Vereine, Kommunen und Privatschulen. Der Fördersatz beträgt in der Regel 30 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. Die Förderhöchstsumme beträgt für kommunale Sportstätten 120.000 Euro, für Vereinssportstätten 84.000 Euro. Wie es im Land weitergeht, hängt auch mit den Verhandlungen über den Landeshaushalt zusammen.