Grünes Blumenhaus Mayer holt die Natur zurück in den Zierpflanzenanbau

Ein Ausrufezeichen setzt das Blumenhaus Mayer in Friedrichshafen mit der ökologischen Ausrichtung des Blumenhauses. Florian Mayer, der das Blumenhaus vor erst zweieinhalb Jahren von seinen Eltern übernommen hat, holt so viel Natur wie möglich in seinen Betrieb. Plastik und chemische Pflanzenschutzmittel hat er, wo immer es möglich ist, aus dem Familienbetrieb verbannt.

Wenn es wie bei zugekauften Pflanzen und Trägern für Pflanzgefäße nicht ohne Plastik geht, setzt er konsequent auf Mehrfachverwendung von Töpfen und Mehrwegsysteme bei Trägern. Wie viel öko im Zierpflanzenanbau geht, stellt er eindrucksvoll unter Beweis. Sogar Bienenstöcke finden sich auf dem Betriebsgelände. Den Honig können Kunden direkt im Blumenhaus kaufen. Martin Hahn MdL, Landtagsabgeordneter der Grünen für den Bodenseekreis, hat das Blumenhaus Mayer bei seiner Sommertour 2019, die im Zeichen von Umwelt- und Klimaschutz steht, besucht. Der Agrarpolitiker, der sich sonst vor allem mit Nutzpflanzenanbau beschäftigt, zeigte sich genauso wie Stadträtin Stephanie Glatthaar, die ihn begleitet hat, tief beeindruckt vom ökologischen Ansatz.

Fast schon zerknirscht denkt Martin Hahn zurück an die 10.000 Sonnenblumen, die der Grüne Kreisverband Bodenseekreis noch im Mai vor der Kommunal- und Europawahl in Plastikgefäße eintopfte, um sie anschließend im Wahlkampf an Wählerinnen und Wähler zu verschenken. Denn Florian Mayer macht vor, dass es im Zierpflanzenanbau auch ohne Plastik geht. Pflanzen, die er selbst in dem Betrieb zieht, kommen bei ihm nur noch in Kokosfasertöpfe. Die Gefäße aus Naturmaterial zersetzen sich von selbst. Etwa 30.000 Plastiktöpfe werden so jedes Jahr allein im Friedrichshafener Blumenhaus überflüssig. Etwa viermal so teuer wie ein Plastikgefäß sind die umweltfreundlichen Töpfe aus Kokosfasern, sagt Florian Mayer.

Überzeugungstäter ist Florian Mayer aber nicht nur bei den Pflanzgefäßen für seine Stecklinge. Bei Blumen, die er zukauft, ist ihm die Herkunft wichtig. Weil er wissen will, wo die Ware herkommt, besucht er die Produzenten und Lieferanten in den Niederlanden. Er achtet auf Fair Trade und bevorzugt, wenn es machbar ist, regionale Ware wie Blumen von der Insel Reichenau. Statt mit chemischen Pflanzenschutzmitteln hält der Gärtnermeister seine Pflanzen mit Nützlingen gesund. Gegen Schädlinge setzt er statt giftige Insektizide Schlupfwespen ein. Die Schlupfwespen kommen auf Kärtchen, die er zu den Pflanzen in den Topf steckt. „Hummelvölker werden zum Beispiel in Boxen verschickt“, erzählt der Häfler.

Auch energetisch hat sich im Blumenhaus, seit Florian Mayer das Haus ökologisch ausrichtet und Umwelt- und Klimaschutzaspekte bei Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen, schon einiges getan. Schon jetzt sorgen LEDs für die Hälfte des Lichts. Florian Mayer und seine Frau betreiben das Blumenhaus in der vierten Generation. Die Eltern sind im Geschäft noch mit dabei. Alles auf einmal umkrempeln, geht nicht, sagt der Juniorchef. Die Veränderungen zu einem grünen Blumenhaus verfolgt er aber zielstrebig. Das nächste Projekt ist Photovoltaik.

Dass der Grüne Landtagsabgeordnete seinen Betrieb besuchte, freut den Friedrichshafener. Er will gehört werden gerade von den Grünen. „Wir brauchen wieder mehr Platz für Grün in unseren Städten“, sagt Florian Mayer. Er schwärmt von Staudenbeeten und Schnittblumen aus Bauerngärten. Wer seinen Blumenstrauß in eine Folie verpackt haben möchte, bekommt auch im Blumenhaus Mayer eine Folie, aber eine, die sich zersetzt. Sie ist acht Mal teurer als eine herkömmliche Folie, so der Chef. Steckmasse, die die Floristen benutzen, ist in seinem Betrieb bio und statt Kunststoffkordeln gibt es bei Florian Mayer nur Naturmaterial. Als Pflanzenstärkungsmittel möchte der innovative Friedrichshafener lieber Brennnesselsaft einsetzen. Es seien die kleinen Unternehmen, die Veränderungen anstoßen. Gebremst wird Florian Mayer zum Beispiel durch den Fachkräftemangel und bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Handicap sieht er noch Luft nach oben. Von der grün geführten Landesregierung wünscht er sich Unterstützung.

Martin Hahn zeigte sich begeistert. Unter Glas lassen sich sehr gut mit Nützlingen arbeiten, so der Landtagsabgeordnete. Das sei auch im Nutzpflanzenanbau so. Unter Glas Anbau habe hier Vorteile gegenüber dem Freiland Anbau. Und noch besser als Kokosfasern wären Pflanzgefäße aus Schilfkolben, der in Baden-Württemberg wachsen könnte. Martin Hahn schlägt vor, zu prüfen, ob eine Agrovoltaikanlage in Gewächshäusern eine Option ist. Seine Eindrücke möchte er an seine Fraktionskolleginnen und -kollegen gern weitergeben.

Zur Bildergalerie.

www.blumenhausmayer.de