Klimawandel und Auswirkung

HEISSER SOMMER 2018
Was für ein Sommer! Privat haben wir die Karibik am Bodensee sehr genossen. Aber politisch zieht jetzt die Sturmflut auf. Ich fürchte mich schon vor dem fingerzeigenden Schlagabtausch, wer schuld sei. Klar ist: Deutschland hat seine Vorreiterposition aus der Energiewende längst abgegeben. Essen, Wohnen, Verkehr, unsere Lebensweise, wir sollten einen neuen Rundumblick entwickeln, diskutieren, damit wir aus dem hinteren Mittelfeld wieder nach vorne kommen. Keine Alleingänge, aber wieder Vorreiterpositionen besetzen. Wer kann, global, europäisch, national, landespolitisch, regional was tun. Welchen Beitrag kann jede, jeder von uns tagtäglich leisten?
Ein paar Vorschläge, was Europa tun könnte: 

DEN PREIS FÜR TREIBHAUSGAS MASSIV ANHEBEN!

Wer unsere Atmosphäre anheizt muss zahlen. Co2, dass Treibhausgas Nr. 1 muss teurer werden und zwar sofort von ca. 15 Euro derzeit auf 40 Euro. Die EU-Kommission hat erst für das Jahr 2035 einen Zielpreis von 42 Euro festgeschrieben. Viel zu spät.
Wir brauchen diesen höheren Preis jedoch sofort und nicht erst in 17 Jahren, denn wir haben keine Zeit zu verlieren. Steigt der Preis, werden diejenigen belohnt, die neue Technologien nutzen, um weniger Klimagas zu emitieren.

MOBILITÄT NICHT NUR BILLIGER- SONDERN UMWELTFREUNDLICH MACHEN!
 

Die zweite dringliche Maßnahme ist eine angemessene Besteuerung des Kerosins, also des Flug-Treibstoffes, und die Heraufsetzung des Preises für Schiffs-Diesel. Es ist, so meine ich, schlicht und ergreifend unseriös für beispielsweise 29 Euro von Stuttgart nach Sardinien zu fliegen. Der Luftverkehr hat sich seit 1990 verdreifacht, die Kreuzfahrten haben um 890%(!) zugenommen. Betrachtet man den Co2 – Ausstoß zum Thema Verkehr gehören diese Maßnahmen für mich sofort auf EU-Ebene umgesetzt.
Die aktuelle Meldung über ein neues Klima-Ziel der EU-Kommission, bis 2030 die Emissionen um 45% reduzieren zu wollen, höre ich mit gemischten Gefühlen. Wir brauchen nicht ehrgeizige Ziele, wenn auch in die richtige Richtung, sondern die sofortige Umsetzung des bereits Machbaren. Nur die Politik kann dies bewirken und ich kämpfe in meiner täglichen Arbeit darum, dass der politische Wille endlich ein noch viel deutlicheres Handeln einfordert. Nur die Politik mit den entsprechenden Richtlinien kann den Klimawandel stoppen! Immer wieder kommt es mir darauf an, nicht nur Mangel-Zustände zu beklagen. Wo gibt es Lösungs-Ansätze, was können wir jetzt tun? Fragen, die mich um- und antreiben. Unterstützt mich dabei! Macht aktiv mit! Das ist es, was ich mir wünsche. In einer ganzen Reihe von Veranstaltungen haben wir im laufenden Jahr, das für mich eminent wichtige Thema „Klimawandel-Klimaschutz“ behandelt. Biodiversität, Gemeinwohlökonomie um nur zwei zu nennen. Im September stehen jetzt weitere Aktivitäten meinerseits und des Kreisverbandes an. Veranstaltungen mit Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe zum Verkehr, und Alexander-Florian Bürkle vom Stadtwerk am See zum kommunalen Klimaschutz. Auch im kommenden Jahr wird für mich der Klimaschutz das zentrale Thema meiner Arbeit sein. Ein „Weiter so“ in Richtung Klimakatastrophe kann es für uns nicht geben. Ich wünsche mir dabei sehr, dass wir diesen Weg gemeinsam miteinander weitergehen.

ENERGIEWENDE WEITER VORANBRINGEN!
 
„Wer den Klimawandel immer noch in Frage stellt, ignoriert die offensichtlichen Fakten. Die aktuelle Hitzeperiode ist mehr als ein deutliches Warnsignal“. Zitat: Franz Untersteller, grüner Umweltminister von Baden-Württemberg am 9. August 2018
 
Die Energiewende klemmt. Dem Einsatz von Wind und Sonne stehen noch zahlreiche Hürden entgegen. Die dringend benötigten Netzleitungen, um den Öko-Strom von Nord nach Süd zu bringen sind das augenscheinlichste Beispiel. Peter Altmaier, der schwarze Wirtschaftsminister, redet viel und tut wenig. Er verspricht hier mehr zu tun, bisher ist aber nur wenig geschehen. Über 40% des deutschen Co2-Ausstoßes entstammen noch immer dem Energiebereich. Die Bundesregierung blockiert den Ausstieg aus der Braunkohle, einem der Hauptverursacher von Co2-Emissionen. Wer jetzt meint über die Schönheit von Windrädern debattieren zu müssen, hat die Prioritäten noch nicht verstanden, das ist meine Meinung. Für die Zukunft unserer Kinder, aber auch eine lebenswerte Zukunft für Afrika:
Think global. Act local.

Landwirtschaft - regionalisieren und ökologisieren
 
340 Millionen Euro Hilfe will die Bundesregierung wegen des Ernteausfalles bereitstellen. Ich bezweifle, dass sie dort landen, wo sie gebraucht werden. 8% der deutschen Co2-Emissionen werden durch die Landwirtschaft freigesetzt. Würden wir konventionellen Anbau durch Ökolandwirtschaft ersetzen, halbieren wir den entsprechenden Anteil. Bei direktem Vergleich mit den Erträgen liegen wir dennoch um mindestens 30% unter den Werten der konventionellen Landwirtschaft. Von der Bundesregierung erwarte ich wenig. Es braucht grüne Politik um hier die Weichen zu stellen.
 
Und am Bodensee? Längst ist der Klimawandel bei uns angekommen. „Der Klimawandel ist auch bei uns längst da“, stellte die Bodenseestiftung nach einer entsprechenden Studie schon 2016 fest. Ich habe mich dafür engagiert, der Stiftung das notwendige Geld bereit zu stellen, damit Anschlussprojekte möglich werden. Wie kommen wir aus der Massentierhaltung heraus? Wie reduzieren wir den Pestizideinsatz, vermindern damit Co2-Emissionen und stoppen das Insektensterben?


DIE DICKEN STINKER STOPPEN!

 
Die 15 größten Seeschiffe stoßen jährlich mehr So2 aus, als alle 760 Millionen PKWs der Welt, muss der Kreuzfahrer erstmal wissen.
Quelle: Studie des Naturschutzbunds Deutschland!
 
„Für Klimaschutz brauchen wir eine grundlegende Verkehrswende“, meint Svenja Schulze, Bundesumweltministerin. Gut gebrüllt, aber nix gemacht. Im Bereich LKW stiegen die Emissionen in den letzten Jahren um 31%. Die deutsche Automobilindustrie betrügt mit gefälschten Abgaswerten. Der Anteil an Elektro-Autos ist mikroskopisch. Seit den 1990-er Jahren hat sich der Luftverkehr verdreifacht. Eine adäquate Kerosin-Besteuerung ist für mich unabdingbar! Es kann einfach nicht sein, dass ein Flugticket von Hannover nach Hamburg günstiger ist als ein Bahnfahrschein.
Ich will nicht, dass unsere Kinder zum Schnäppchenpreis gedankenlos in ferne Länder reisen. Sondern, dass sie diese Länder noch intakt besuchen können. Ich will, dass auch Schiffs-Diesel, aktuell fast ungereinigtes Rohöl, nicht weiter der Klima-Hammer bleibt, sondern Kreuzfahrer, aber auch Frachtschiffe mit sauberem Treibstoff, Flüssiggas, Solar- und windgetrieben, als Übergangslösung mit gereinigtem Diesel ihre Ziele erreichen. Wer es noch nicht weiß, in den vergangenen 20 Jahren sind Kreuzfahrten um 890% (!) gestiegen.
Und regional? Ich setze mich seit Jahren für eine Elektrifizierung des Bahnverkehrs in unserer Bodenseeregion ein. Hier sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Unterstützt mich bitte dabei.

WOHNBAU NEU DENKEN – UND MACHEN!
 
Billig soll er sein, umweltfreundlich und flächensparend. Im Wohnbau wollen wir alle alles, und das sofort. Ich denke, hier sollten und müssten wir neu denken. Wie können wir schneller werden von der Planung bis zur Realisierung? Was bewährt sich im Sanierungsbereich, was können wir streichen? Wie können wir dazu beitragen, neue Wohn- und Baukonzepte, auch im gewerblichen Bereich kostengünstig und umweltfreundlich machen? Lasst uns einen neuen Blick darauf werfen, neue Konzepte entwickeln.

Klimazweifler, gibt´s die noch?
Der schöne Schein trügt. Zwar gibt es hier noch keinen Donald Trump und Klimapolitik kommt in jeder politischen Rede vor. Doch am Ende zählt nur, was hinten rauskommt. Hans Joachim Schellnhuber, Chefberater der Kanzlerin in Klimafragen, führt an, wir würden uns in der Klimafrage wie einer unterhalten, der vom Empire State Building springt und im freien Fall, etwa auf Höhe der zweiten Etage darauf verweist, dass bis jetzt alles gut gegangen sei.
 
Ich wünsche uns allen einen guten Start in den Herbst 2018. Und dass wir alle, Politiker, Unternehmer, Bürger, auf allen Ebenen, nicht weiter die Augen schließen. Sondern uns alle fragen:
Wieso kommt eigentlich die Wind- und Solarenergie so schleppend voran?
Wieso wird der Ausbau der Solarenergiespeicher nicht weiter betrieben?
Wieso dominiert uns der Plastikmüll so sehr?
Warum fahren noch so wenig Wasserstoff- und Elektroautos im Bodenseekreis?
 
Wir, das heißt, auch Ihr und ich.
Ich freue mich auf Eure Anregungen und Eure Beiträge.