Land fördert Bau von Ozonstufe in Kläranlage Friedrichshafen

Stadt erhält fürs Herausfiltern von Arzneimittelresten mehr als 800.000 Euro Zuschuss

Das Land unterstützt den Einbau einer vierten Reinigungsstufe, einer Ozonstufe, in die Kläranlage Friedrichshafen mit 830.500 Euro. Die zusätzliche Reinigungsstufe ist notwendig, um zum Beispiel Arzneimittelreste aus dem Wasser zu filtern.

Moderne Kläranlagen sind heute in der Regel dreistufig. Zur Abwasserreinigung werden nacheinander mechanische, biologische und chemische Verfahren eingesetzt. In der erste Reinigungsstufe, der mechanischen Abwasserreinigung, werden grober Unrat, Kies, Sand oder auch Fette aus dem Wasser gefiltert. In der zweiten Reinigungsstufe, der biologischen Abwasserreinigung, können zum Beispiel auch Schwermetalle aus dem Wasser entfernt werden. In der dritten Reinigungsstufe, der bisher weitergehenden Abwasserreinigung, werden verschiedene chemische Stoffe wie zum Beispiel Stickstoff und Phosphor mit spezielle Verfahren aus dem Wasser gefiltert. Um auch Medikamente, Kosmetikreste und Haushaltschemie aus dem Wasser zu holen, bedarf es einer vierten Reinigungsstufe, der Ozonstufe.

Ohne diese Stufe fließen mit dem gereinigten Wasser aus den Kläranlagen zum Beispiel pharmazeutische Rückstände wie Medikamentenreste, Hormone, Röntgenkontrastmittel und ähnliche Stoffe mit nachweislich schädlicher Wirkung zurück in die natürlichen Gewässer, in Bäche, Flüsse und den Trinkwasserspeicher Bodensee.

Die umweltschonende Abwasserentsorgung hat für Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) und den Landtagsabgeordneten für den Bodenseekreis, Martin Hahn MdL (Grüne), hohe Priorität. „Sauberes Trinkwasser ist überlebenswichtig“, sagt Martin Hahn. Gefährden könnten Arzneimittelrückstände nicht nur die Gesundheit von Menschen, sondern auch zum Beispiel die von Fischen. So zeige eine Studie einer schwedischen Universität laut Martin Hahn wie sich das Medikament Oxazepam auf Lachse auswirke. Der Wirkstoff werde normalerweise bei Angstzuständen verschrieben. Über das Abwasser und durch Kläranlagen gelange der Stoff zurück in die Natur und wirke sich auf die Psyche von Fischen aus. „Lachse hätten sich laut Studie unvorsichtiger als ihre Artgenossen in unbelasteten Flüssen verhalten und seien häufiger von ihren natürlichen Feinden wie Hechten gefressen worden“, so der Landtagsabgeordnete.

Gerade in der sensiblem Bodenseeregion und wegen des Trinkwasserspeichers Bodensee sei die vierte Ozonreinigungsstufe besonders wichtig. „Vier Millionen Baden-Württemberger trinken aus unserem See“, so der Landtagsabgeordnete der Grünen. „Deswegen müssen wir dringend dafür sorgen, dass keine Arzneimittelreste mehr in den See gelangen“, erklärt Martin Hahn.

Bei der Wasserwirtschaft und und Altlasten-Beseitigung – umweltschonende Abwasserentsorgung, Hochwasserschutz und Regenwasser-Rückhaltung – unterstützt das Land die Städte und Gemeinden landesweit mit rund 164 Millionen Euro, so Umweltminister Franz Untersteller. Neben der Ozonreinigungsstufe der Kläranlage Friedrichshafen bezuschusst das Land im Bodenseekreis auch eine Studie zur gewässerökologischen Untersuchung unteres Schussental. Die Stadt Tettnang erhält dafür 66.300 Euro.