LinzgauKorn stärkt Biodiversität auch ohne Bio

Auf Einladung von Martin Hahn MdL, Wahlkreisabgeordneter der Grünen für den Bodenseekreis, informierte sich der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner MdB, Gentechnik- und Bioökonomiepolitikexperte der Grünen Bundestagsfraktion, über das regionale Partnerprojekt LinzgauKorn.

Das Partnerprojekt LinzgauKorn hat Vorbildcharakter nicht nur wegen der Regionalität, sondern auch weil es der Biodiversität und dem Klimaschutz zugute kommt. Von links: Die Landwirte Thomas Kempfer, Frickingen; Matthias Müller, Deggenhausertal; Josef Baader, Initiator von LinzgauKorn und Bäcker; Harald Ebner MdB und Landtagsabgeordneter Martin Hahn MdL

Beim Brotbacken kamen Landwirte, Bäcker und Abgeordnete ins Gespräch. Von links: Martin Hahn MdL; Harald Ebner MdB; Josef Baader, Bäcker

LinzgauKorn hat Vorbildcharakter, nicht nur was den regionalen Anbau, die regionale Verarbeitung und die Transparenz angeht. Das Partnerprojekt trägt auch zum Erhalt der Biodiversität im Linzgau bei. Martin Hahn und Harald Ebner zeigten sich beeindruckt. Schon von einem einjährigen Herbizidverzicht auf konventionell bewirtschafteten Äckern profitiert die Artenvielfalt.

14 Landwirte, eine Mühle, zwei Bäckereien und eine Konditorei mit insgesamt 12 Fachgeschäften sind Teil von LinzgauKorn. Das allein schon ist ein spannendes Projekt, welches sich der Bundestagsabgeordnete, Gentechnik- und Bioökonomiepolitikexperte Harald Ebner aus Schwäbisch Hall am vergangenen Montag mit großem Interesse anschaute. Auf 160 Hektar, circa 30 Kilometer in jede Himmelsrichtung von Frickingen aus gesehen werden Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer, Emmer, Sonnenblumen und Leinsaaten angebaut- und all diese Zutaten,
konventionell oder biologisch hergestellt, werden von den am Projekt „LinzgauKorn" teilnehmenden Betrieben verarbeitet. Nichts wird vorgemischt oder gar vorproduziert zugekauft.

Biobauern und konventionelle Landwirte bilden bei LinzgauKorn eine starke Gemeinschaft. Die Diskussion und das gegenseitige Lernen werden gelebt und sind von allen Beteiligten gewünscht. Gegenseite Feldbegehungen und Betriebsbesichtigungen sorgen für Wissensaustausch. Probleme und Sorgen werden miteinander besprochen. Hier sitzen die Landwirte nicht nur im gleichen Boot sondern halten – obwohl sie konventionell oder
biologisch wirtschaften – auch zusammen.

Auf der einen Seite sind Landwirte Opfer in der Preispolitik der EU, auf der anderen Seite aber auch Verursacher zum Beispiel von Klimagasen durch die Milchviehhaltung, aber auch in der Bodenbewirtschaftung. Doch Landwirte sind, wie LinzgauKorn vormacht, auch Problemlöser in der Klimakrise, zum Beispiel durch den Humusaufbau. Humus besteht zur Hälfte aus Kohlenstoff, der aus dem Kohlendioxid der Luft stammt. Durch eine Erhöhung des Humusgehalts im Boden wird daher die Atmosphäre vom Treibhausgas Kohlendioxid entlastet. Dies
kann ein Beitrag zum Klimaschutz sein, wenn es gelingt, Humus stärker als zuvor zu speichern.

Österreich geht hier bereits gut voran. Dort werden Landwirte subventioniert, wenn sie positiven Humusaufbau verzeichnen können, so die beiden LinzgauKorn-Landwirte Thomas Kempfer und Matthias Müller. Ambitionierte Landwirte haben es geschafft in einem Jahr 2,5 Prozent mehr Humus aufzubauen – das geht normalerweise nicht einmal in vier Jahren. Die LainzgauKorn-Landwirte haben dieses Ziel auch im Blick.

Blühstreifen, die ihren Platz auf den Äckern haben, bieten eine sehr große Chance für Ertrag, Biodiversität und Boden. Ein Blühstreifen sollte mindestens zwei Jahre stehen. Auch wenn er optisch nur im ersten Jahr schön
anzusehen ist, bietet das zweite Jahr ein Fest für Bodenlebewesen. Martin Hahn erklärt: „Wirkliche Biodiversität funktioniert da, wo es scheinbar unordentlich aussieht. Dort beginnt der Boden zu arbeiten. Die Bodenqualität steigt und gesünderer, höherer Ertrag ist die Folge."

Harald Ebner ergänzt: „Heute ist das Wissen größer als vor 20 Jahren. Es bietet sich an Schädlingsregionen gegen Schädlinge zu errichten, Feinde auf dem Acker natürlichen Feinden anstatt Pestiziden auszusetzen. Die Natur löst scheinbare Probleme ganz allein- wenn man sie lässt." Aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher haben eine wichtige Rolle: Sie müssen für den regionalen und nachhaltigen Einkauf sensibilisiert werden, so Harald Ebner. „Sie müssen den Wert erkennen, den Landwirte für das Klima leisten können und wollen. Aber das geht eben nur, wenn sich der Verbraucher an der Ladentheke sich für eine Regionale und Faire Produktion entscheidet“, erklärt Martin Hahn.

Josef Baader, Initiator von LinzgauKorn und Inhaber der Bäckerei Baader, ist stolz darauf, dass die regionale und nachhaltige Produktion bei seinen Kunden so gut angenommen wird. Der Bäcker in siebter Generation baute 2007 in Frickingen die „GläserneBackstube" und bieten viele Führungen für Interessierte jeden Alters an um das Bäckerhandwerk wieder Populärer zu machen.

LinzgauKorn ist ein Erfolgsprojekt in vielfacher Hinsicht, so Martin Hahn und Harald Ebner. „Für Umwelt, Region und Verbraucher- und das schmeckt man“, sagt Harald Ebner. Dafür stehen die Baaders und die LinzgauKorn-Landwirte und auch Harald Ebner und Martin Hahn. Sie geben ihr Bestes, damit das Projekt weitere Teilnehmer und Nachahmer nicht nur im Linzgau findet.