Martin Hahn, MdL, Vor-Ort-Termin: Landwirtschaft unter veränderten klimatischen Bedingungen

Klimaveränderungen und extreme Wetterereignisse haben dramatische Auswirkungen auf die Landwirtschaft und damit auf die Einkommensstabilität und Liquidität landwirtschaftlicher Betriebe. Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen für den Wahlkreis Bodensee, agrarpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion und Vorsitzender des Agrarausschusses im Landtag hat am Montag (11. Dezember) bei einem Vor-Ort-Termin auf dem Holzhof in Friedrichshafen mit Bauernvertretern erörtert wie sich die Landwirtschaft bestmöglich auf die sich verändernden Bedingungen einstellen und gegen Risiken absichern kann, um eine Existenzgefährdung bäuerlicher Betriebe zu vermeiden.

Im Fokus standen beim Gespräch mit Dieter Mainberger, dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbands Tettnang e.V., sowie weiteren Gästen die Frosthilfe, die Mehrgefahrenversicherung, die Risikoabsicherung in Form einer steuerlichen Rücklagemöglichkeit sowie die nachhaltige Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel.

 

Frosthilfe:

 

Der Frost im April 2017 hat die Landwirte im Bodenseekreis besonders hart getroffen. Geschädigte Bauern im Bodenseekreis stellten insgesamt 467 Anträge auf Frosthilfe. Das war die zweithöchste Zahl im Land. Landesweit betrug das Schadensvolumen 120 Millionen Euro. Bei einem Beihilfesatz von 50 Prozent und unter Beachtung von Höchstgrenzen entstand so ein Mittelbedarf von rund 53 Millionen Euro. Die Landesregierung hat die Mittel für die Frosthilfe zur Verfügung gestellt, das kann aber nicht die Strategie der Zukunft sein.

 

 

Mehrfachversicherung:

 

Die landwirtschaftliche Produktion unterliegt zahlreichen außergewöhnlichen und existenzbedrohenden Risiken. Die Zunahme der Wetterextreme infolge des Klimawandels wird die Anfälligkeit im Agrarsektor weiter erhöhen. Die Versicherungswirtschaft hat Ertragsrisiken und Schadenspotenzial sowohl in der Pflanzen- als auch in der Tierproduktion bereits analysiert und monetär bewertet. Auf Landesebene hat Martin Hahn die Idee entwickelt analog zur Tierseuchenkasse eine Mehrgefahrenversicherung einzurichten – die rechtlichen Möglichkeiten hierzu müssten aber noch geprüft werden.

Steuerliche Rücklagemöglichkeit:

Martin Hahn erwartet von einer neuen Bundesregierung, dass diese eine Risikoabsicherung in Form einer steuerlichen Rücklagemöglichkeit schafft. Die Landtagsfraktion der Grünen plant zu den Themen Mehrgefahrenversicherung und steuerliche Rücklagemöglichkeit zudem eine öffentliche Anhörung, die voraussichtlich am 6. März 2018 im Landtag in Stuttgart stattfindet. 

LIFE AgriAdapt - Nachhaltige Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel:

Das übergeordnete Ziel des Projekts LIFE AgriAdapt (Link: 
www.agriadapt.eu) ist die Entwicklung, praktische Erprobung und Verbreitung von Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Anpassung landwirtschaftlicher Betriebstypen (Tierhaltung, Ackerbau, Dauerkulturen) an den Klimawandel führen und die Betriebe damit weniger anfällig machen. Im Gesamtprojekt sind alle vier EU-Klimarisiko-Region vertreten. Entsprechend können die Erfahrungen und Ergebnisse in alle EU-Mitgliedsstaaten übertragen und dort genutzt werden. Für Deutschland (Zentraleuropa) ist die Bodensee-Stiftung zuständig. Das Projekt wird bereits unterstützt durch das EU-Förderprogramm LIFE, die Landwirtschaftliche Rentenbank, den Landkreis Bodenseekreis und OMIRA. Die Landtagsfraktion der Grünen hat auf Initiative von Martin Hahn, MdL, beantragt, dass das Land die LIFE AgriAdapt (Bodenseestiftung) 2018 und 2019 jeweils mit 60.000 Euro fördert. (Die letzte Haushaltsberatung im Landtag findet am 20.Dezember statt.)