Naturbad Leustetten: Vorbildliches bürgerschaftlichem Engagement

Beim Besuch während der Sommertour von Martin Hahn MdL, Landtagsabgeordneter für den Bodenseekreis, im Naturbad in Leustetten hat alles gepasst, nur das Wetter leider nicht. Mit seinem Besuch im Naturbad wollte Martin Hahn auch darauf hinweisen, wie wichtig es ist, dass Kinder schwimmen lernen.

Dazu brauche es viele kleine Bäder wie das in Leustetten, das Vorbildfunktion hat. Das bürgerschaftliche Engagement fürs Bädle hat ihn beeindruckt.

Eine repräsentative forsa-Umfrage hatte gezeigt, dass 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer sind. Nur noch ein kleiner Teil der Kinder lernt das Schwimmen in der Schule.  Eine Rolle spielen könnte bei der Entwicklung mit oft fatalen Folgen auch, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt. Beim Rutschen in Spaßbädern können Kinder nicht schwimmen lernen.

Mit dem Frickinger Bürgermeister Jürgen Stukle, Ortsvorsteherin Antoinette Kieback, Thomas König und Gerd Manefeld vom Förderverein Naturerlebnisbad sprach Martin Hahn, Wahlkreisabgeordneter für den Bodensee, über den Betrieb des Naturfreibads. Bürgermeister Jürgen Stukle sagte, das Naturfreibad in Leustetten sei besonders bei Familien mit kleinen Kindern beliebt. Auch wegen der Übersichtlichkeit der Anlage ziehen viele Mütter mit ihren Kinder das Naturfreibad dem viel weitläufigeren Schlosssee in Salem oder einem Strandbad am Bodensee vor.

Dass es das Bad noch gibt, hat viel mit bürgerschaftlichem Engagement zu tun. Vor zwölf oder dreizehn Jahren schrammte es an der Schließung vorbei. Die Sanierungskosten des Bades hätten die Gemeinde finanziell überfordert. Geboren wurde damals die Idee, das Bad in ein Naturbad ohne gechlortes Wasser umzubauen. Was folgte, ist eine Erfolgsgeschichte. Im vergangenen Jahr feierte das Naturbad seinen zehnten Geburtstag.

Dass die Frickinger Kinder schwimmen lernen, ist auch dem Bürgermeister wichtig. Die Grundschüler haben Schwimmunterricht im Hallenbad in Deggenhausertal. Im Sommer können sie im Naturfreibad, dem Leustetter „Bädle“ üben. Die Gemeinde unterstützt das Bad mit einem jährlichen Betriebskostenzuschuss von 7.800 Euro. Auch die Kosten fürs Wasser und größere Sanierungen trägt die Gemeinde. Einen Sanierungsstau wie in der Vergangenheit dürfe es nie wieder geben.

Alles andere macht der Verein. Vereinsvorsitzender Gerd Manefeld sagt, Glück hatte der Verein, dass er eine Badeaufsicht aus Polen gewinnen konnte. Der Rettungsschwimmer kam wie Erntehelfer als Saisonkraft nach Deutschland. Einen Fachangestellten für Bäderbetriebe braucht das Naturbad nicht, da es im Wasser keine Chemie gibt. Weil der Verein aus Haftungsgründen eine Wasseraufsicht braucht, muss er das Becken ab 19 Uhr sperren. Mit dem Haftungsthema hadert Manefeld. Er wünscht sich weniger Zwänge, wofür Martin Hahn ein offenes Ohr hatte. Zwischen 3.300 und 6.800 Badegäste kommen je nach Wetter pro Saison.

Das Badewasser im Becken reicht von knie- über hüfttief bis zu 3,80 Meter an der tiefsten Stelle. Für Kinder gibt es ein Planschbecken. Die Reinigung erfolgt in einem Regenerationsbecken. Über eine Überlaufkante läuft das Wasser im Naturbad zunächst in einen Vorfilter. Grobe Schwebstoffe halten dort Kies und Wurzelwerk zurück. Anschließend fließt das Wasser in einen Technikraum, wo es mit Sauerstoff aus der Luft angereichert wird. Die nächste Station ist das Regeneratiosbecken mit Gräsern und Wasserpflanzen. Dort wird das Wasser biologisch gereinigt. Wärmer als 26 Grad darf es nicht werden. Im Naturbad liegt die Temperatur meist zwischen 22 und 24 Grad. Auch an heißen und kühlen Tagen bleibt die Wassertemperatur konstant.

Ein Magnet ist auch das Restaurant Zugvogel, das Alexandra Scholz betreibt und gemütlich eingerichtet hat. Die Pachteinnahmen aus der Gastronomie gehen an den Verein, der weitere Einnahmen durch den Eintritt und Mitgliedsbeiträge von den etwa 180 bis 190 Mitglieder hat. Etwa 15 bis 20 Aktive sind bei den Arbeitseinsätzen dabei. Einmal im Jahr wird das Wasser abgelassen und das Becken gereinigt. „Ich habe größten Respekt vor so viel bürgerschaftlichem Engagement“, sagt Martin Hahn. Ohne die Mitglieder des Fördervereins, Unterstützer wie örtliche Handwerksbetriebe und die Gemeinde, die bei Sanierungen und auf dem Gelände hilft, gäbe es das Naturbad nicht. „Dabei sind solche überschaubaren, familienfreundliche Schwimmbäder unverzichtbar“, findet der Abgeordnete. Wo sonst könnten Schwimmanfänger das Schwimmen so gut üben? „Mit dem Seepferdchen fängt das Schwimmenlernen doch erst an“, sagt Martin Hahn. „Ich finde es erschreckend, dass immer weniger Kinder und Jugendliche sicher schwimmen können. „Deswegen sind kleine Bäder wie das in Leustetten so wichtig.“ Er wünscht Leutstetten viele Nachahmer.