Testeinkauf in Markdorf: Supermarkt gegen Unverpackt

Bei seiner Sommertour 2019 hat Martin Hahn MdL den Selbsttest gemacht und Testeinkäufe bei Edeka Sulger und im Unverpackt laden Heimatliebe Unverpackt in Markdorf gemacht und die Einkäufe hinterher verglichen.

Begleitet hat ihn der junge Markdorfer Grüne Jonas Alber, der bei der Wahl im Mai neu in den Markdorfer Gemeinderat gewählt worden ist. Das Fazit der Einkäufer: Einkaufen im Unverpackt Laden macht besonders viel Spaß, weil beim Einkauf tatsächlich kein Verpackungsmüll anfällt. Wer Gefäße wie Gläser oder Plastikboxen mit Deckeln mitbringt, kann im Unverpacktladen Müsli, Spaghetti oder zum Beispiel Gummibärchen ganz ohne schlechtes Gewissen wegen Plastikmülls in unserer Umwelt und schlechter Recyclingquoten einkaufen. Am Ende zahlte der Landtagsabgeordnete der Grünen bei Heimatliebe Unverpackt allerdings deutlich mehr. Ein direkter Vergleich der Preise ist aber wegen der unterschiedlichen Qualität der Ware nur schwer möglich.

Unterwegs war der Abgeordnete mit einem Einkaufzettel. Bei Edeka Sulger kaufte Martin Hahn dann wie geplant 500 Gramm Dinkelspaghetti, eine Kilo Reis, Kaffeepads, Früchtemüsli, geröstete Pistazien, Kekse, eine Flasche Olivenöl, Milch, Blütenhonig, Maschinenspülmittel, Waschmittel, Seife und eine Zahnbürste ein. Auch im Supermarkt hatte Martin Hahn schon die Wahl zwischen mehr oder weniger Plastikverpackungen und damit zwischen einem mehr oder weniger umweltverträglichen Einkauf. Statt Waschmittel in einer Plastikverpackung legte der Abgeordnete der Grünen Frosch Waschmittel im Karton in den Einkaufswagen. Am Milchregal entschied sich Martin Hahn für Biomilch in der Pfandflasche aus Glas. Den Blütenhonig von Alnatura gibt es genauso wie Olivenöl ebenfalls in Glasgefäßen, wenn auch nicht in Pfandgläsern oder -flaschen. Bei den Kaffeepads und den gesalzenen Pistazien dagegen hatte Martin Hahn bei Edeka Sulger keine Wahl. Umweltverträglich verpackt gab es diese Produkte nicht. Besonders viel Plastikverpackung musste der Abgeordnete ganz zum Schluss bei der Zahnbürste „mit kaufen“.

Im Unverpacktladen dagegen fiel beim Einkauf wie erwartet kein Plastikmüll an. Umweltverträglicher ist es unter der Dusche sicherlich statt flüssigem Shampoo in den üblichen Einwegplastikverpackungen lieber Shampoo in gepresster Form zu benutzen. Die seifenartigen 8,50 Euro teuren Stückchen reichen jeweils für 60 mal Haare waschen. Und besser als Duschbad in Plastikflaschen aus dem Super- oder Drogeriemarktregal zu holen, ist in jedem Fall auch im Unverpacktladen Flüssigseife in mitgebrachte Spender abzufüllen. Das ökologisch korrekte Verhalten hat allerdings seinen Preis: Die unverpackte Holzzahnbürste mit den Naturborsten kostete  im Unverpacktladen 6,65 Euro, während die Plastikzahnbürste im Supermarkt für gerade einmal 65 Cent zu haben war. Auch das Olivenöl und die Seife, die bei Heimatliebe Unverpackt aus einer Manufaktur kommt, waren bei Heimatliebe Unverpackt deutlich teurer als bei Edeka.

Nicht überall sind die Preisunterschiede aber so deutlich. Blütenhonig und Milch gibt es auch im Unverpacktladen genauso wie bei Edeka im Glas. Die Preise sind in beiden Läden durchaus vergleichbar. Auch bei Nudeln und Müsli schenken sich Edeka und der Unverpacktladen nicht viel. Bei Kaffeepads musste Heimatliebe Unverpackt passen. Kaufen können die Kundinnen und Kunden nur ganze Bohnen oder gemahlenen Kaffee. Pads oder gar Kapseln gibt es nicht. 

Ladenbesitzerin Simone Keller, die beim Testeinkauf, beim Abfüllen von Müsli & Co mitgeholfen hat, verweist zum Beispiel beim günstigen Olivenöl aus dem Supermarkt und der Seife auf unterschiedliche Qualitäten. Zur Herstellung der Billigseife aus dem Supermarktregal, die 39 Cent kostete, wurde zum Beispiel Palmöl verwendet. Die Spülmaschinentabs waren im Unverpacktladen ebenfalls ein bisschen teurer, aber dafür mit einer Hülle aus Maisstärke geschützt und nicht in Plastik verpackt. Bei Heimatliebe Unverpackt gibt es – von Nudeln über Kekse bis zu gesalzenen Pistazien – auch fast nur Bioprodukte. Nur Honig, Rapsöl und Schnaps sowie einmal in der Woche frisches Brot vom konventionell wirtschaftenden Tannenhof in Deggenhausertal sind nicht bio, so die Inhaberin.

Zum Cappuccino und Espresso legt Mitarbeiterin Michelle Bucher ein Stückchen köstliche Schokolade auf die Untertasse. Verpackte Schokolädchen oder Kekse gibt es nicht. Auf dem Tisch  in der Kaffeeecke steht Rohrzucker im Glas. Die Gummibärchen gibt es natürlich auch offen und in ganz besonderer Qualität.

Die Einkaufsathmosphäre haben Martin Hahn und Jonas Alber bei Edeka Sulger in der Ravensburger Straße und bei Heimatliebe Unverpackt jeweils als sehr angenehm empfunden. Die Mitarbeiterinnen im Supermarkt an der Kasse und im Unverpacktladen waren sehr freundlich. Beim Abfüllen der Lebensmittel wie Müsli half Inhaberin Simone Keller im Unverpacktladen mit. Einen großen Weidenkorb sowie Gläser und Plastikboxen mit Deckeln hatte der Abgeordnete dabei.

Zum Service im Unverpacktladen gehört es auch, dass Kundinnen und Kunden, wenn sie mögen, ihre leeren Gefäße und den Einkaufszettel einfach vorbei bringen und den kompletten Einkauf später abholen können. Mittlerweile kommen übrigens immer mehr Kundinnen und Kunden in den Unverpacktladen nach Markdorf und statt früher für zehn Euro kaufen sie heute oft auch für 50 oder 60 Euro ein. Das ist die Beobachtung der Ladenbesitzerin.

Das Parken war bei Edeka und vor dem Laden in der Hauptstraße kein Problem, auch wenn es eher nicht die Regel sein dürfte, direkt vor dem Unverpacktladen einen freien Stellplatz zu finden.

Auch privat fällt bei Ladeninhaberin Simone Keller und ihrer Familie mittlerweile nur noch sehr wenig Plastikmüll an. Dass sie trotzdem nicht auf den gelben Sack verzichten kann, liegt an Waren, die auch sie nicht unverpackt kaufen kann. Zum Beispiel neue Kopfhörer gibt es nicht ohne viel Plastik drum herum.

Jonas Alber hat zum ersten Mal bei Heimatliebe Unverpackt eingekauft. Er könnte sich vorstellen, dass er es noch einmal ausprobiert. Martin Hahn sieht die Notwendigkeit, Aufklärungsarbeit zu leisten. Verpackungen sind seiner Einschätzung nach viel zu billig. Grundsätzlich könnte er sich vorstellen, dass auch Supermärkte in Zukunft ein unverpacktes Sortiment anbieten. Klappen könnte das, wenn die Nachfrage nach unverpackten Produkten weiter steigt.

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http://heimatliebe-unverpackt.de/