Unser Wald in Zeiten des Klimawandels

Um die Zukunft unseres Waldes ging es bei einem Waldspaziergang mit Dr. Michael Strütt, Leiter des Kreisforstamtes des Bodenseekreises.

Beim Waldspaziergag hat sich Martin Hahn MdL vor Ort ein Bild über die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels und Folge von extremen Wetterereignissen auf unsere Wälder gemacht. Den Treffpunkt, den Parkplatz am Abenteuerspielplatz in Immenstaad, hatte Dr. Michael Strütt ausgesucht. Er wollte Martin Hahn nicht nur den öffentliche Forst zeige, sondern ihn auch auf die Schadenssituation im kleinstparzellierten Privatwald aufmerksam machen.

In den Waldgebieten auch im Bodenseekreis gibt es erheblichen Borkenkäfer- und Dürreschäden vor allem an Fichte und Tanne und neu auch an der Buche. Im Fokus standen beim Rundgang denn auch der Wasserversorgungs-Stress, das Borkenkäferrisiko, das Sturmschadensrisiko und die Anpassungen im Wald an veränderte klimatische Bedingungen.

Die Wälder in Deutschland befinden sich in einem alarmierenden Zustand. Stürme und Trockenheit und vor allem Schädlinge setzen den Bäumen immer stärker zu – die Schäden gehen in die Milliarden.

Die Waldbesitzer fürchten wegen einer Borkenkäferplage und der Dürre Milliardenkosten. Der Dachverband der Waldeigentümer geht davon aus, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Festmeter sogenannten Schadholzes anfallen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Käferholz und bei Stürmen umgeknickte Bäume. (Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter.) Allein der Abtransport könnte nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) 2,1 Milliarden Euro kosten. Das trieb vor allem auch Privatwaldbesitzern Tränen in die Augen.

Normalerweise kann die Fichte die Käfer durch Harzbildung abwehren. Wenn es aber zu trocken wird, hat sie kein Wasser und damit kein Harz mehr. Dann kann es innerhalb weniger Wochen zum Absterben der Bäume kommen. Die massenhafte Vermehrung der Fichtenborkenkäfer steht nach Überzeugung vieler Wissenschaftler also auch in direktem im Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Besonders gefährdet ist in unseren Wäldern der Wirtschaftswald mit seinen Fichtenmonokulturen. Mischwald mit den vielen unterschiedlichen Baumarten und Laubbäumen mit dichten Laubkronen ist vergleichsweise wesentlich widerstandsfähiger. Den im Mischwald sind die Temperaturen deutlich kühler als im Fichtewald, der deswegen auch viel schneller austrocknet und in der Folge auch anfälliger für Schädlinge ist.

Forstminister Peter Hauk (CDU) hatte Anfang September Vertreterinnen und Vertreter der Verbände aus den Bereichen Wald, Erholung-, Umwelt- und Naturschutz, der Bauernverbände, der Kirchen, den kommunalen Landesverbänden, der Sägeindustrie, der Politik und der Wissenschaft zu einem Waldgipfel waren eingeladen. Die über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten den von Minister Hauk vorgelegten Entwurf eines Notfallplans Wald für Baden-Württemberg. Im nächsten Doppelhaushalt will der Minister jährlich 40 Millionen Euro einplanen.

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) geht davon aus, dass sich zum Beispiel der Schwarzwald an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen wird. Er warnt davor, in Aktionismus zu verfallen und den Baumbestand durch vermeintlich klimastabilere Baumarten auszutauschen.

Martin Hahn sieht einige Ansätze im Notfallplan von Peter Hauk kritisch. Der Minister habe vor allem auch die Interessen der Forstwirtschaft im Auge und versuche sich bei den schwierigen Haushaltsverhandlungen die hohe Millionenbeträge für sein Ministerium zu sichern. Entscheidend für Martin Hahn ist, dass es gelingt, den Buchenwald in eine stabile Waldgemeinschaft umzubauen. Dazu braucht es auch neue Baumpflanzungen für den Mischwald. Martin Hahn spricht sich für eine naturnahe Waldbewirtschaftung aus.

Viele Forstleute sagen denn auch, wir müssen der Natur Zeit geben. Der Wald schaffe die Wiederaufforstung selbst. Neue Baumsorten aus dem Katalog auszusuchen und die nächsten Plantagen anzulegen, funktioniere nicht. Statt dessen sprechen sich einige Forstleute für naturbelassene Wälder wie in Bannwäldern oder Urwäldern in Naturparks aus. Die Natur entscheidet dort, welche Bäume wo wachsen sollten.

Eine Forderung der Grünen ist es auch, Monokulturen zu Öko-Wäldern umzubauen. Nur gesunde, stabile und vielfältige Wälder könnten den Herausforderungen des Klimawandels Stand halten. Dazu gehöre unter anderem, Stämme einzeln und mit bodenschonenden Verfahren zu ernten. Öko-Wald bringe nicht nur Vorteile für die biologische Vielfalt, sondern auch für die Holzwirtschaft, weil er für höhere Stabilität, Widerstandskraft und eine bessere Holzqualität sorge. Pestizideinsätze in Wäldern müssten auf streng begrenzte außergewöhnliche Notfälle beschränkt bleiben.

Hier geht es zu einem Video über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald in Baden-Württemberg.