Wie „Landnutzung“ zum Klimaschutz beitragen kann

Martin Hahn MdL: „Wir brauchen unsere Moore“

Die Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg hatte am Dienstag zu einem öffentlichen Fachgespräch zum Thema „Klimaziele 2030“ in den Landtag nach Stuttgart eingeladen. Im Mittelpunkt standen beim Fachgespräch „Landnutzung“ die Handlungsfelder „Landwirtschaft“, „Ernährung“ und „Wald“ und was die „Landnutzung“ leisten kann, um den Ausstoß von Treibhausgasemissionen zu verringern.

Vor etwa 80 Interessierten diskutierten Vertreter*innen aus der Wissenschaft, Praktikern*innen und Vertreter*innen aus der Politik im Landtag, welchen Beitrag Landwirtschaft, Forst und Ernährung zum Klimaschutz leisten können. Ein wichtiges Ergebnis war, dass dem Moorschutz eine besonders große Bedeutung zukommt. Moore sind die wirksamsten mega Kohlenstoffspeicher innerhalb der Landökosysteme und leisten einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz.

„Moorböden sind riesige Kohlenstoffspeicher. Wenn wir sie trockenlegen, setzen wir Treibhausgase frei“, so Martin Hahn MdL, agrarpolitischer Sprecher der Grünen Fraktion. Bei der Trockenlegung von Mooren entweicht der gebundene Kohlenwasserstoff in die Atmosphäre. Deswegen spricht sich der Grüne Abgeordnete dafür aus, die Zerstörung von Moorgebieten zu stoppen. Weiter wünscht sich Martin Hahn ein größeres Engagement für die Renaturierung der Ökosysteme. Der Agrarpolitiker möchte Moore wieder bewässern, um Kohlenstoff zu binden. „Um das zu erreichen, müssen wir den Wasserstand in den Gebieten erhöhen“, so Martin Hahn. Die Landwirtschaft könnte profitieren und die wiedergewonnenen fruchtbaren Böden nachhaltig bewirtschaften.
„Weltweit ist im Torf der Moore mehr Kohlenstoff gebunden als in den Wäldern“, so Martin Hahn. „Das ist so, obwohl Moore nur auf drei Prozent der Landoberfläche vorkommen“, rechnet der Landtagsabgeordnete für den Bodenseekreis vor.

Die Treibhausgasemissionen aus entwässerten oder abgebrannten Mooren machen etwa bis zu fünf Prozent aller durch menschliche Aktivitäten verursachten Emissionen aus – das sind etwa zwei Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. „In Deutschland sind mehr als 90 Prozent der Moorflächen entwässert worden – insbesondere in den 60er- und 70er-Jahren sind Moore trockengelegt worden, um Torf zu stechen und auch um land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen“, erläutert Martin Hahn. In diesen Flächen fehlen mittlerweile aber die Nährstoffe.
Beim Fachgespräch „Klimaziele 2030“ haben die Teilnehmer*innen den Input des Arbeitskreises Ländlicher Raum, den Beitrag der „Landnutzung“ für die Fortschreibung des Klimaschutzgesetzes, konkret für die Fortschreibung des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzeptes (IEKK), erarbeitet.

Das Kabinett hatte am 21. Mai 2019 bereits acht Eckpunkte zur Weiterentwicklung des Klimaschutzgesetzes beschlossen. Ein Gesetzentwurf zur Änderung des Klimaschutzgesetzes wird derzeit erarbeitet und das Landtagsverfahren zur Änderung des Klimaschutzgesetzes ist in Vorbereitung. Einzel-Aktionen und Handlungsfelder, mit denen die Klimaschutzziele auf Landesebene erreicht werden sollen, sollen im Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept (IEKK) verankert werden, das ebenfalls fortgeschrieben wird. Das soll noch vor der Sommerpause passieren.


Infobox:

Ziel bis 2030: - 42%!

Ob dürre Wälder oder Ernteausfälle - kaum ein anderer Bereich ist vom Klimawandel so stark betroffen wie die Landnutzung. Die Höhe des Ertrages und dessen Qualität werden wesentlich durch Temperatur und Niederschläge beeinflusst. Die Landnutzung ist nicht nur betroffen vom Klimawandel, sondern kann auch selbst zum Klimaschutz beitragen. Sie kann ihren Energieverbrauch verringern, produktionsbedingte Treibhausgasemissionen reduzieren, mit Ressourcen noch effizienter umgehen und Rohstoffe zur Energiegewinnung bereitstellen. Unser Ziel heißt: Bis 2030 sollen in Baden-Württemberg im Bereich Landwirtschaft Treibhausgasemmissionen um 42% gegenüber den Werten von 1990 verringert werden.